Weihnachtsstress

“…wirklich. Wir fahren hin, springen nur eben GANZ kurz raus, wirklich direkt in die Markthalle – ich weiß genau wo das Geschenkpapier steht! Wir gucken auch nichts anderes an, aber das liegt doch auf dem Weg, wir kommen sowieso dran vorbei und jetzt ist es auch bestimmt nicht mehr so voll… bittöööööööööö! Nur ganz schnell eben zu IKEA, ich verspreche dass es schnell geht!”

Wie kann es eigentlich sein, dass ein Mann im gesunden Alter von 31 Jahren tatsächlich annimmt, er würde mit seiner Freundin bei IKEA vorfahren, den Wagen abstellen, kurz reinspringen, 3 Rollen Geschenkpapier kaufen, bezahlen und wieder wegfahren? Welcher Stirn-, Frontal- oer sonstwas-Lappen in diesem sonst von Weitblick, Bestimmheit und Allwissen geprägten Köpfchen hatte denn bitte hier diesen Aussetzer verursacht, der dazu führt, dass man an einem Advents-Samstag den blaugelben Parkplatz, die schwedische Folterkammer aufsucht? Ich weiß es nicht. Im Grunde ist es jetzt auch egal, denn die Falle wurde mir vor die Nase gesetzt, wurde in aller Ruhe aufgebaut, hübsch drappiert und angerichtet und mit einem riesigen Schriftzug vor meinem inneren Auge ausgestattet, der mit großen, gelb blinkenden Buchstaben auf blauem Grund in meine Richtung brüllt: “ACHTUNG – FALLE!” – nur gut, dass ich offensichtlich farbenblind bin…

Natürlich schaffen wir NICHT den direkten Weg zum Geschenkpapier und schaffen es auch genausowenig, uns nichts anderes anzugucken. Von mir selbst überrascht und ein wenig geknickt stehe ich also daneben, während sich die Liebste Nudelkochtöpfe anschaut (die Ähnlichkeit zu Geschenkpapier geht gegen Null…) und schaue ein wenig verwirrt und nüchtern drein, während das ganze Spektakel wie ein Film vor meinen Augen abläuft.

Nun hat IKEA sich sowas wohl schon gedacht – und zwar nicht nur im Bezug auf mich, sondern auch auf viele, viele andere arme Männer. Um das Ganze also noch ein wenig witziger zu machen (ich bin mir sicher, dass irgendwo hinter irgendwelchen Kameras Leute sitzen und sich kaputtlachen!) wird zunächst ein großes Regal mit vielen bunten, glänzenden, hübschen, niedlichen Geschenpapierrollen und zig verschiedenen Verpackungsmaterialien aufgebaut, um welches eine Frau wirklich seeeehr lange herumschleichen kann, bis man(n) sie endlich dazu überredet hat, eine Auswahl zu treffen. Sowas ist nicht leicht, sowas braucht Zeit und Überzeugungskraft, so dass man schon ein wenig erschöpft ist, wenn frau endlich mit 5 verschiedenen Papierrollen und einem Päckchen bunter Schleifen den Weg Richtung Kasse aufnimmt.

Durch die Markthalle. Um die Ecke. Direkt an VIER großen Bergen voller weiterer Auswahlmöglichkeiten von Geschenkpapier, Schleifen, Bändchen, Kügelchen, Tütchen, Paketchen oder Anhängerchen. Zu diesem Zeitpunkt weißt Du als Mann längst: Du willst bloß noch 3 HotDogs, eine Käsetasche, ein schwedisches Bier und vielleicht noch die Schwedin von Kasse 3 mit nehmen – aber wenn Du noch weitere 5 Minuten damit verbringen musst eine Diskussion darüber zu führen ob das silberne Geschenkpapier mit der schwarzen Schleife harmoniert oder das goldgestreifte Papier sich mit dem roten beißt, dann wirst Du der erste Mensch sein, der im Freiburger IKEA Hausverbolt erteilt bekommt – denn brennende Geschenkpapierhaufen wirken zwar irgendwie festlich, aber sicher nur in Deinen Augen, nicht in denen der Feuerwehrmänner.

Gut – ich habe es irgendwie doch überlebt. Am Ende wenn alles vorbei ist weißt Du nicht, wie Du es eigentlich bis hierher geschafft hast, Du schließt einfach nur die Augen und irgendwann ist es dann endlich doch auf wundersame Weise vorbei. Ruhe kehrt ein, das Piepen in Deinen Ohren hört auf, die verzerrte Wahrnehmung findet ein Ende und Dein Puls wird wieder ruhiger – Frauen entwickeln sich vom potentiellen Feindbild zurück zum Objekt Deiner Begierde und Kinder haben vor Deinem inneren Auge nicht mehr automatisch ein Fadenkreutz auf ihrer Stirn. Das Leben kehrt zurück und Du fährst heim.

PS: Meinen HotDog hab ich noch bekommen.

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9 Kommentare zu “Weihnachtsstress

  1. Toll! Das geht wohl echt jedem so. Obwohl ich zugeben muss, dass ich selbst als Frau nicht immer so die Lust habe stundenlang vor einer Sache zu stehen und zu überlegen. Kann mich schon manchmal nerven, je nachdem mit wem ich unterwegs bin.
    Aber da ich in Elektronikläden wohl genauso schlimm bin, ertrage ich es. Irgendwann ist es ja auch geschafft. ;)

  2. Fantastisch! Treffender kann man wohl das Leiden des männlichen Teils der Bevölkerung nicht beschreiben. Ein Glück, dass ich bisher nur einmal einen Fuß in einen IKEA gesetzt habe. Muss auch nicht wieder sein.

    Aber wenn ich irgendwann wieder eine Angebetete habe und sie mich fragt, fällt sicher auch mein Hirn aus. Falls das hier jemand lesen sollte und mich dann dabei sieht: Entführt mich und bringt mich ganz weit weg! ;)

  3. Hihi, also diesen Beitrag kann ich auch als Frau lustig finden :lol: … Ich kenne meine Geschlechtsgenossinnen gut genug, dass ich weiß, wie sich das abspielen kann. Obwohl es man(n) mit mir da wahrscheinlich leichter hätte – ich stehe sicher nicht stundenlang bei Nudelkochtöpfen herum (Bin ja schließlich Kochnull :D ) …

  4. Oh…
    Mit mir auch nicht.
    (Auch ne Kochnull :mrgreen: )

    Joah, ich kenn da auch so einige, die stundenlang rumstöbern würden. Kommt immer ganz auf meine Laune an. Wenn ich was brauche und ne bestimmte Vorstellung habe (was es dann vermutlich nirgends gibt), kann es auch schonmal etwas dauern. Aber generell hält es sich in Grenzen. ;)

  5. Na wenigstens VERSUCHT hier jemand, Mitleid zu haben ;) Das wäre dann ja schonmal ein Anfang… Ich würde ja freiwillig viel öfter zu IKEA gehen, wenn die als zusätzliches Geschäftsmodell in den Innenstädten überall kleine blaue Köttbullar-Buden aufmachen würden… :D

  6. Ich würde auch mal gerne ab und an ein bisschen schauen. Aber bei uns in der Nähe ist ja mal so gar kein Ikea. Mindestens eine Stunde zu fahren. Und wenn man dann nur scharf auf die Hotdogs mit viel Gurken, Senf und Ketchup ist, lohnt sich das nicht wirklich… :(

  7. Erst letzten Samstag war ich mit meiner Freundin im IKEA. Nur einen Tisch. Mehr wollen wir nicht holen. Für die Küche.

    Und was war…? Siehe OBEN! :D

  8. Das ist uns auch mal so gegangen. Am schlimmsten sind die ganzen Dekosachen. Da findet man eigentlich immer was, wenn man länger guckt. ;)

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