Wie vielleicht einige schon wissen, bin ich ja eine waschechte Duisburgerin. Seit 1996 wohne ich nun schon hier im Kreis Bad Kreuznach und werde das ein oder andere mal seltsam angesehen, weil ich Hochdeutsch spreche und den Pfälzer Slang nicht drauf habe. Zitat: “Sie sprechen aber komisch, wo kommen Sie denn her?!” *drop*
Da dachte ich mir doch, dass ich darüber mal was schreiben muss. Der Ultes hatte mir meine Idee ja in den letzten Tagen schon geklaut und das Pälzische Wörderbuch erstellt, dass sich großer Beteiligung erfreut. Ein Wöatabuch spar ich mir an dieser Stelle aber, da ich dieses tolle Exemplar bereits hier entdeckt habe, welches keine Wünsche mehr offen lässt.
Ich habe mich mal ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt und mich schlau gemacht. Bei Wikipedia fand ich ein paar interessante Dinge und habe mich während dem Lesen köstlich amüsiert. Mir ist aufgefallen, dass ich meinen alten Slang bis auf ein paar vereinzelte Redewendungen kaum noch drauf habe, aber direkt wieder darein verfalle, wenn ich meine alte Heimat besuche.
Hier schreibe ich also einfach mal ein paar einfache Fakten zusammen, teils aus der Erfahrung/Erinnerung, teils zusammengetragen aus Wikipedia.
1. Herkunft:
Beim Ruhrdeutschen handelt es sich um eine Abwandlung des Hochdeutschen mit Einflüssen der niederdeutschen Mundarten vom Niederrhein und aus Westfalen. Umgangssprachlich wird es in der Region auch als Ruhrpott, vereinzelt auch als Ruhrpöttisch oder Kumpelsprache bezeichnet. Es wird vermutet, dass diese Mischsprache im Zuge der Zuwanderung während der Industralisierung entstanden ist und dadurch die Veränderungen in Wortschatz, Satzbau und Lautung zur Folge hatte.
2. Lautliche Ebene:
- -s am Ende eines Wortes wird generell durch ein -t ersetzt; z. B. wat (was), dat (das/dass), et (es), kleinet (kleines), usw.
- -r als Auslaut wird oftmals durch ein -e bzw. ein -a ersetzt; z. B. Kiiache (Kirche), Doatmund (Dortmund), Eade (Erde), Vatta (Vater), Kinda (Kinder), usw.
- -ar, -ahr und -arr wird gleichermaßen einfach als langes a gesprochen, wodurch verschiedene Wörter gleich klingen und nur aus dem Zusammenhang zu unterscheiden sind; z. B. warten und waten; Bart und Bad; Start, starrt und Staat, usw.
- Lange Vokale werden gerne kurz gesprochen; z. B. Farratt (Fahrrad), Bannoff (Bahnhof), Omma (Oma),
3. Morphologische Ebene:
- Die hochdeutsche Verkleinerungsform -chen wird zu -ken bzw. -sken. Z. B. Mäusken (Mäuschen), Stücksken (Stückchen), usw.
4. Grammatikalische Ebene:
-
Es besteht eine gewisse Kasusunsicherheit, wodurch oftmals keine Unterscheidung zwischen Dativ und Akkusativ gemacht wird. Z. B. Gehma bei die Omma. (Geh mal zur Oma.) Komma bei die Nikolaus. (Komm mal zum Nikolaus.) Wollder mitten Wagn komm? (Wollt ihr mit dem Wagen/Auto kommen?) Aufe Aabeit waa heut echt wat los. (Auf der Arbeit war heute echt was los.)
-
Häufige Umschreibung mit Hilfe der Verlaufsform am; z. B. Ich bin am Malochen dranne. (Ich arbeite.) Et is am Rechnen. (Es regnet.) Et fängt am reechnen an. (Es beginnt zu regnen.) Der hilt sich am Schimpfen. (Er hörte nicht auf zu schimpfen.)
- Passiv Formen werden vermieden, ansonsten schief verwendet; z. B. Hier werden Sie geholfen. (Hier wird Ihnen geholfen.)
- Präposition -zu (in Bezug auf die Bewegung in eine Richtung) wird durch -nach bzw. -bei ersetzt; z. B. nach Aldi faahn (zu Aldi fahren), Komma bei mich bei. (Komm mal zu mir.)
- Es werden gerne Nebensatzkonstruktionen gebildet, um Konjunktionen wie anstatt, wegen und weil zu ersetzen; z. B. Weil dattet am Reechnen is. (Aufgrund des Regens.)
- Artikel können weggelassen bzw. verkürzt werden; z. B. Ich bin auf Aabeit. (Ich bin auf der Arbeit.) Er is inne Schule. (Er ist in der Schule.)
5. Wortschatz:
- Appelkitsche (Apfelgehäuse)
- Blaach, Blagen (Kind, -er)
- Dubbels (zusammengeklappte Butterbrote)
- i-Dötzken (frisch eingeschultes Kind)
- Kabuff (Abstellkammer, Raum)
- Klätschkopp (intensiv gelgestützte Frisur, dreckige Haare)
- knaatschich (weinerlich, jammernd)
- knibbeln (sich an etw. zu schaffen machen, mehr oder weniger erfolglos)
- Kornebeff (Corned Beef)
- Kusselkopp (Purzelbaum)
- lecko mio; leck mich fett (in etwa: Du kannst mich mal.)
- Mottek (Hammer)
- seine Olle, ihr Oller (Ehepartner)
- Pellemänner (Pellkartoffeln)
-
Stulle (Butterbrot)
- Trallafitti (Probleme)
- Wollwott (Woolworth)
Das alles sind natürlich nur Beispiele. Es gibt massig andere Begriffe und noch viel mehr Änderungen und Abwandlungen. Ein paar meiner Lieblinge bzw. der bekanntesten Dinge habe ich also mal zusammengeschrieben. Ich plane nach und nach immer mal wieder ein paar Lektionen “Ruhrdeutsch” zu veröffentlichen, in denen verschiedene Dinge genauer beschrieben werden. Dieser Beitrag hier dient erstmal nur als kleine Einführung, die einen kurzen Überblick über die Sprache geben soll.
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Als Niederrheiner kenne ich einige dieser Sprachspezialitäten natürlich selbst gut genug. Den “Wollwott” hatten wir hier auch… ich muss gestehen, dass ich erst sehr spät gelernt habe, dass der Laden in Wirklichkeit “Wuuhlwörss” (ohje, Lautschrift mady by Sascha^^) ausgesprochen wird.
Mein Favorit im Ruhrdeutsch ist aber imer noch folgendes:
Statt “Ich komme aus Bottrop” zu sagen “Ich bin vom Bottrop wech” hört sich selbst in meinen niederrheinischen Ohren einfach genial an
…ja, ja, das sind mir die liebsten! Erst über unser “Pälzisch” lästern, dann aber selbst tiefsten Dialekt nachlegen!
Da habt ihr aber auch nen ordentlichen Slang da oben drauf! Da tut sich der Pälzer schwer etas zu verstehen! *shake*
@Sascha: Ich muss gestehen, dass ich auch heute immer noch “Wollwott” sage, weil es einfach richtiger klingt. *lach*
@derUltes: Geschrieben sieht es komplizierter aus, als es sich im Endeffekt anhört. Zumal man nicht alles immer anwendet. Generell spricht man halb Slang und halb Hochdeutsch. *freu*
Ha ha … köstlich. Als gebürtiger Oberhausener kenn ich längst nicht alle Worte, aber spontan sind mir da natürlich auch “teita” oder “Dubbel” eingefallen. Hier am Niederrhein hat man mich anfangs unverständlich angeguckt, wenn ich meine “Dubbel” noch machen mußte
.
Gerne genommen wird auch das Gegenteil von etwas z.B. von geöffnet .. “Ich hab’ noch ‘ne zuene Packung”.
P.S.: “…und habe mich während dem Lesen …” im 3. Absatz war Absicht, oder
?
@Eichental: Klar, die Dubbel kennt man. Teita war mir jetzt noch neu. Ja, ich liebe alles zuene. *lach*
Was meinst du mit “… und habe mich während dem Lesen…”? Ist das irgendwie undeutsch? Ist doch normal…
Also das ist ja mal witzig =D Ich als Hesse kenne das gar net so =D Aber dafür gibbets ja hier annere Sache die man nämme ka =D
Ich weiß jetzt nicht ob du es verstanden hast aber ich hoffe =D
@Karotte: Kein Problem. Ich kann das meiste verstehen, sogar Bayrisch. *ok* Hessisch ist ja jetzt nicht so schwer. Hier reden alle Pälzisch, das ist auch nicht viel annerscht… *shake*
hehe…das ist klasse
ich finds immer schade das ich gar kein richtiges platt kann
awa ebbes hon eich uch geliert, lei on da musel
auch wenn das zu schreiben echt nicht leicht ist
Ruhrdeutsche Grammatik klingt wie Berliner Grammatik der untersten Sozialschicht. oO Und ich dachte immer, Stulle wäre ein Berliner Wort ^^ Das habt ihr doch bestimmt geklaut!!
Ich dachte eigentlich sowieso immer, dass sich Dialekte nur auf die Aussprache der Wörter etc. beziehen, aber nicht die komplette Grammatik einbeziehen. Wieder was gelernt
Ein paar Ähnlichkeiten gibts vom Wortschatz her. Interessant.
@mone: Hihi
Auch nicht schlecht der Slang. Schreiben ist mir auch nicht leicht gefallen. Sprechen geht wie von alleine.
@Hikari: *lach* Ja, Ruhrdeutsch und Berliner Dialekt stammen beide vom Niederrheinischen ab und klingen daher ähnlich.
Ok, ich geb zu, dass wir die Grammatik auch nicht immer so extrem verändern. Wie es hier zusammengefasst ist, klingt es total übertrieben. Solche Vertreter gibt es zwar sicherlich auch, aber bei den meisten hält es sich in Grenzen. *drop*
Aber Trallafitti heißt nicht nur Problem! Mein Vater (Duisburger) sagt zum beispiel immer zu mir “is nicht immer nur Trallafitti und spaß” oder “du kannst nicht jedes Wochenende auf Trallafitti gehen”
Trallafitti heißt also auch so viel wie Feiern
Hi Philipp!
Ja, das stimmt, habe ich sogar auch schonmal gehört.
Also ich komme aus Niedersachsen aber ich muss sagen, dass ich irgendwie die meisten Wörter auch benutze was mir vorher garnicht klar war
Ist halt so ein Alltäglicher gebrauch , muss ich mir wohl mal angewöhnt haben
Das kann man wahrscheinlich auch nicht so genau an den Ländern ausmachen, wird sich wohl noch ein wenig überlappen.