Eine Mathematikaufgabe im Wandel der Zeit

Nachdem ich es mit dem lieben Josh in den letzten Tagen wieder mit unserem Lieblingsthema “Mathematik” hatte, habe ich jetzt etwas lustiges und doch sehr passendes wiedergefunden. Folgende Aufgabe wird seit Jahrzehnten jedem Schüler irgendwann einmal gestellt:

Volksschule 1960:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 50 DM. Die Erzeugerkosten betragen 40 DM. Berechne den Gewinn.

Realschule 1970:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 50 DM. Die Erzeugerkosten betragen vier Fünftel des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?

Gymnasium (DDR) 1980:
Die Verkaufsbrigade der Bauernkooperative Liebknecht des Arbeiter und Bauernstaates hat einen Produktionsaufwand von 40 Mark für einen Sack Kartoffeln der Sorte Volksheld Lenin. Der einheitliche Verkaufspreis beträgt 50 Mark. Wie viele Bücher das Kapital des Volkshelden Karl Marx zum EVP von 10 Mark können aus der Differenz angeschafft werden?

Gymnasium 1990:
Ein Agrargökonom verkauft eine Menge subterraner Feldfrüchte. Die Menge Geld (G), Teilmenge von N, hat die Mächtigkeit 50. Die Menge der Herrstellungskosten (H) ist um 10 Elemente geringer als die Menge G. Zeichne ein Mengendiagramm mit H als Teilmenge von G und bestimme die Menge des Gewinns als Lösungsmenge L. Wie mächtig ist die Lösungsmenge?

Gesamtschule 2000:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 50 DM. Die Erzeugerkosten betragen 40 DM und der Gewinn 10 DM. Unterstreiche das Wort Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber.

Erlebnisschule 2010:
Ein Bauer bietet auf dem Öko-Markt Bio-Kartoffeln an. Nimm eine Kartoffel in die Hand. Wie fühlt sie sich an? Schabe etwas von der Schale ab und zerreibe sie zwischen deinen Fingern. Atme den Geruch tief ein, schließe die Augen und versetze dich in die Kartoffel. Du bist die Kartoffel, fühle die Feuchtigkeit, die Dunkelheit, … . Komme jetzt zurück und öffne die Augen. Meditiere mit deinem Nachbarn über eure Erfahrungen.

Onlineschule 2020:
ein kapitalistisch priwiligierter bauer bereichert sich an einem sack kartoffeln um 10 euro. dikutiere im chatroom von kartoffel.schule.eu die aufgabnstellung und untersuch das text interaktiv auf innhaltliche feler. versuch die kartoffelpreiss durch hacken in der warenterminebörse zu senken :!) chick dein Ergebniz an loesung@kartoffel.schule.eu

Schule 2030:
S gipt kein kartoffln meer.

Gefunden bei meinem ersten – und leider einzigen – Informatiklehrer Herrn Ehlers, dem ich den Großteil meiner Grundkenntnisse im Bereich des Programmierens zu verdanken habe. Der Rest ist reines Learning-by-Doing. Wenn man mal bedenkt, was seit letztem Jahr so alles “umprogrammiert” wurde. Von meinem Einsteiger-Theme bin ich ja auch schon lange weg; dieses hier ist deutlich komplexer.

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About Linda

Linda ist eine technikversierte Bloggerin, die es in ihrer Freizeit gerne nach draußen in die Natur zieht, wo sie alles fotografiert, was ihr gerade vor die Linse kommt. Neben diesen Fotos schreibt sie beispielsweise auch leicht verständliche Tutorials zu deren Bearbeitung oder was ihr sonst so in den Sinn kommt.

12 Kommentare zu “Eine Mathematikaufgabe im Wandel der Zeit

  1. *LOL*
    Die Mengenlehre des Gymnasiums gefällt mir am besten. Das wäre das Optimum für meinen BWL/RW-Dozenten während meines Betriebswirtes gewesen. *kiss*

  2. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich vermisse solche schönen, komplexen Aufgaben. Die sind so schön fern ab von jeder Realität. *drop*

  3. Ja, Mathe ist wirklich Dein Ding:-)
    Der Wandel ist ein gutes Beispiel für viele Dinge, die LEIDER trotz steigendem technischen Niveau immer schlechter werden. Ob´s dafür auch ne Formel gibt?

  4. Ich bin Schüler eines Gymnasiums und wir haben im letzten Jahr die Besondere Leistungsfeststellung geschrieben. Diese Prüfung ist die Abschlussprüfung für die Realschule. Wir haben wirklich feststellen müssen, dass die Prüfungen komplettunterschiedliche Schwierigkeiten haben. Ich bin gespannt, was unsere Kinder später lernen müssen.

  5. Luiza :

    Ob´s dafür auch ne Formel gibt?

    Wohl nur die Formel zum Berechnen des Intelligenzquotienten… *ups*

    Denis :

    Wir haben wirklich feststellen müssen, dass die Prüfungen komplettunterschiedliche Schwierigkeiten haben. Ich bin gespannt, was unsere Kinder später lernen müssen.

    Der Unterschied zwischen Gymnasium und Berufsschule ist auch schon gravierend, finde ich. Ich hoffe doch mal nicht, dass das ganze soweit ausartet wie in dem lustigen Beispiel und unsere Kinder immer noch niveauvoll lernen dürfen…

  6. Cool, du programmierst? Was haste denn so drauf?

    Ich hoffe, du meinst jetzt nicht, dass Webseiten gestalten etwas mit Programmieren zu tun hätte?

  7. Ja, hoffentlich nicht. Du sagst es. Wenn wir mal alt sind… Wir müssen uns jetzt schon fürchten…

  8. Großartig!

    Fehlt nur noch ein Beitrag aus dem BWL-Studium:

    Wie viele Mitarbeiter muss ich rausschmeißen, bis die Umsatzrendite bei 50% oder darüber liegt?

    PS: @alte Kiehvotz: Danke, dass wir das jetzt auch wissen! Du bist der Größte!

  9. coole Aufgabe :D Da sieht man mal wieder, wie schnell aus einer einfachen Rechnung etwas total kompliziertes gemacht wird ^^ kommt mir vor wie in der Schule… :D

    Was ich auch immer ganz interessant finde, sind die unterschiedlichen Lösungsansätze von verschiedenen Aufgaben. Meine Großeltern haben mir ja recht oft bei den Hausaufgaben in den ersten paar Klassen geholfen, genauso wie meine Eltern und jeder hat andere Lösungswege gehabt :D Und bei meinem kleinen Bruder ist es genauso… bin mal gespannt, wie das in ein paar Jahren aussieht… ^^

  10. @ alte Kiehvotz: Früher mal so kleine Spielchen wie Sudoku bzw. eine Lösungssoftware dafür. Aber das ist lange her, ich kann kaum noch was.
    Und ja, ich finde schon, dass man Webeiten gestalten durchaus – grob gesehen – als Programmieren bezeichnen kann. ;)

    @ Luiza: Oh ja… Leider…

    @ Weinkaiser: Aber in der Aufgabe kommen ja keine Kartoffeln vor. :D

    @ JoshHarrow: Ja das stimmt, das hat sich mit den Jahren doch schon sehr verändert. Die Tochter einer Bekannten bekommt in der Grundschule noch nichtmal mehr richtiges Schreiben beigebracht. Da dürfen die Kleinen einfach so schreiben, wie die Wörter klingen, z. B. “tuhn” oder “Hunt”, und die Lehrer streichen das nicht als Fehler an, um sie nicht in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen. Das kann ich ja gar nicht verstehen. Ich finde, die Rechtschreibung muss man von Anfang an richtig lernen.

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